Eckla Eagle Scheibenstativ


Die schwäbische Firma Eckla® dürfte vielen Naturfotografen ein Begriff sein, handelt es sich doch um den Hersteller des bekannten Beach-Rolly™, der von vielen als Transportlösung für die umfangreiche Fotoausrüstung genutzt wird. Inzwischen wird ein sogenannter Multi-Rolly™ angeboten, der speziell auf die umfangreichen Bedürfnisse von Fotografen angepasst wurde. Nun hat man in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Naturfotografen Han Bouwmeester das Eckla Eagle Stativ entwickelt, ein Scheibenstativ für den Einsatz im "fahrenden Tarnzelt". Der Markt bietet lediglich eine Hand voll dieser Spezialstative an, die zudem eine recht kostspielige Investition im Vergleich zum häufig eingesetzten Bohnensack darstellt. Grund genug sich das Eckla Eagle Scheibenstativ einmal genauer anzusehen.

 

Erster Eindruck

Das Eckla-Eagle-Stativ wirkt auf den ersten Blick recht wuchtig, obwohl es aus recht dünnen Aluminium bzw. Edelstahlblechen gefertigt ist, bringt es immerhin 1,7 Kg auf die Waage. Vom Prinzip ähnelt es den Modellen von Kirk oder Burzynski, eine Plattform mit 3/8" Gewinde ist über ein Gelenk mit einer Abstützung verbunden. Die Klemmung der Scheibe erfolgt über einen Winkel, der mit 2 Rändelschrauben festgezogen wird. Zum Schutz der Scheibe liegt der Lieferung eine Gummilippe bei, die auf die Scheibe aufgesteckt wird. Eine kleine Libelle die auf der Plattform angebracht ist, ermöglicht zumindest theoretisch ein Ausrichten des Stativs. Die Abstützung an der Unterseite ist in der Länge verstellbar und ist zum Schutz mit Gummikappen ausgestattet. Ansonsten bleibt nur der auffällig gefräste Eckla-Schriftzug zu erwähnen, der das komplett in schwarz gehaltene Scheibenstativ schmückt.

 

Montage

Es gibt bei diesem Spezialstativ zwei Möglichkeiten es im Auto zu montieren, zum einen kann es wie meist üblich an der Scheibe geklemmt werden oder aber man montiert einen der Haltewinkel um das Eagle Stativ direkt an der Tür zu klemmen. Zur Befestigung an der Scheibe muss die Scheibe ca. 10cm aus der Tür heraus gefahren werden und an der Kante sollte das mitgelieferte transparente Schutzgummi übergestülpt werden. Die Klemmung wird mit zwei Rändelschrauben festgezogen, die allerdings etwas klein geraten sind. Ein festziehen ist recht mühevoll und funktioniert nicht zuletzt durch das nur aufgesteckte Schutzgummi nicht zufriedenstellend. Daher empfehle ich die beiden Winkel der Klemmung mit Filzgleitern oder ähnlichen zu bekleben um das Schutzgummi zu ersetzen. Auch die Höheneinstellung der Plattform und die Abstützung werden mit Rändelschrauben ein bzw. festgestellt. Insgesamt würde ich die Montage an der Scheibe nicht empfehlen, da durch die Bauweise des Stativs die Scheibe recht weit ausgefahren werden muss und dadurch die eh schon recht ungünstige Perspektive aus dem Fenster weiter verschlechtert wird.

Montiert man einen der Winkel anders herum, besteht die Möglichkeit das Stativ direkt zwischen Fensterspalt und Tür zu befestigen. Dadurch ergibt sich eine bessere Stabilität und natürlich auch die bessere Perspektive. Aber auch hier muss man sich für die perfekte Ausrichtung ein wenig Zeit nehmen, wenn es dann aber einmal eingestellt ist, funktioniert das Eckla Eagle wie es sein sollte. Die angebrachte Libelle hilft zwar die Plattform in Waage zu bringen, aber spätestens bei einem Standortwechsel mit dem Fahrzeug ist die letzte Einstellung wieder hinfällig. Hier ist eine Nivellierung sehr nützlich, um zum Beispiel auch einen Wimberley Head sinnvoll einsetzen zu können. Die Firma Berlebach bietet ein entsprechendes System an, bei einem Einsatz mit Kugelkopf benötigt man die Nivellierung aber natürlich nicht.

Die Abstützung lässt sich gut im Winkel einstellen, die Rändelschrauben haben hier einen größeren Durchmesser und sind entsprechend griffiger. Die Stütze kann durch einen Auszug verlängert werden und sollte so an den meisten Fahrzeugen passen. Ein Montage an den beiden mir zur Verfügung stehenden Fahrzeugen war kein Problem. Insgesamt dauert die Montage etwas länger als bei vergleichbaren Modellen und wird als etwas umständlich empfunden, aber natürlich montiert man ein solches Stativ ja im Einsatz nicht ständig auf und ab. Eine Montage an der Außenseite der Tür, wie es manche Hersteller ermöglichen, ist nur schwer möglich und mangels Stabilität auch nicht zu empfehlen.

 

Praxis

Bei dem Test sind zwei verschiedene Stativköpfe zum Einsatz gekommen, ein RRS BH-55 (Kugelkopf) und ein Wimberley WH-200 (Telebügel). Empfehlen würde ich nach Möglichkeit die Montage an der Tür, da hier die Stabilität doch etwas größer ist und diese Position zudem auch eine für Scheibenstative recht niedrige Perspektive zulässt. Durch den abfallenden Winkel hinter der Klemmung liegt die Plattform für die Aufnahme des Kopfes deutlich unterhalb der Fensterkante, so das man mit einem Kugelkopf knapp über die Kante kommt. Die Stabilität ist in dieser Konfiguration mehr als ordentlich.

Mit dem Wimberley-Head kommt die Konstruktion erwartungsgemäß schnell an ihre Grenzen, da durch die Hebelwirkung eines Teleschwenkers natürlich auch die Stabilität leidet. Zudem kann eine kardanische Aufhängung ihre Vorteile nur ausspielen, wenn sie perfekt in Waage gebracht wird. In der Praxis ist dies meist nur mit einer Nivellierung komfortabel möglich, ohne diese ist es sehr schwierig das Eckla-Eagle-Stativ z.B. nach einem Standortwechsel des Fahrzeug auszurichten. Bekannt ist mir bisher nur eine Nivelliereinheit der Firma Berlebach, die auch ohne eine Halbkugel befestigt werden kann.

Optional kann man anstatt eines Stativkopfes auch einen speziellen Bohnensack an die Plattform des Eagle-Stativs befestigen. Der eigens hierfür erhältliche 20x20 cm große Bohnensack wird mit 2 Klettverschlüssen an die Plattform des Stativs fixiert, so bleibt dieser stets in der gewünschten Position. Eine recht nette und funktionelle Idee!

 

Fazit

Wer gerne auch einmal das Auto für die "Jagd" auf Rehwild, Hasen oder Vögel nutzt, wird irgendwann den Wunsch nach einer komfortableren Lösung als den Bohnensack haben. Der Markt bietet nur sehr wenige gute Lösungen für das Auto, die zudem auch meist recht kostspielig sind. Da stellt das Eckla-Eagle-Stativ eine Ausnahme da, auch wenn man es mit rund 150 EUR nicht unbedingt als Schnäppchen bezeichnen kann. Schade das die Montage etwas aufwendiger und durch die zu klein geratenen Köpfe der Schrauben insgesamt etwas hackelig ausfällt. Auch die eigentliche Klemmung an der Scheibe könnte etwas besser durchdacht sein, aber immerhin funktioniert es und wenn einmal alles in Position gebracht ist, kann man mit dem Stativ und einen Kugelkopf echt ordentlich "arbeiten". Einen Pluspunkt hat sich der Hersteller durch die Idee mit dem Bohnensack verdient, viele Naturfotografen wollen trotz eines Stativs nicht auf ihn verzichten und durch die Fixierung mit den Klettverschlüssen wird auch hier die Nutzung komfortabler.