Burzynski Scheibenstativ Vario


Obwohl die Ansitzfotografie aus dem Auto in den meisten Fällen sehr ertragreich ist, bietet der Markt nur eine handvoll Spezialstative für diesen Bereich an.  Eine der exklusivsten Lösungen kommt von Rainer Burzynski dem deutschen Tüftler für Naturfotozubehör. Seine Produkte vertreibt er ausschließlich über die Firma Isarfoto aus Icking bzw. über seinen Katalog per Telefon. Angeboten werden zwei Varianten,  zum einen die gewöhnliche Anschraubversion und zum anderen eine mit einer 100mm Kalotte für den Einsatz einer Nivelliereinheit. In diesem Bericht wird die Anschraubversion mit einem 3/8" Gewinde abgehandelt. Wie schlägt sich das Burzynski Vario in der Praxis - ist es sein Geld wert?

 

Erster Eindruck

Beim auspacken des Autoscheibenstativs merkt man direkt das hier ein Bastler am Werk war, die vielen Knöpfe und Einstellmöglichkeiten fallen gleich ins Auge. Die Trägerplatte besteht aus einem Aluminium U-Profil und wirkt auf den ersten Blick sehr groß. Seitlich von ihr befinden sich 2 Stützbeine, die mit einem Kugelgelenk frei beweglich eingestellt werden können, justiert werden sie mit kleinen Rändelschrauben. Diese 220mm lange Innenabstützung kann mittels Teleskopprinzip auf bis zu 400mm verängert werden, sollte man dann immer noch keine geeignete Abstützung erreichen, befinden sich im Lieferumfang noch 2 Verlängerungen von jeweils 220mm. Die Teleskopbeine haben am Fuß einen Gummiüberzug der Beschädigungen an der Innenverkleidung des Fahrzeugs vermeiden sollen. Interessant wirkt die eigentliche Klemmung an der Scheibe des Fahrzeugs, hier hat Herr Burzynski eine brillante Idee umgesetzt. Damit das Scheibenstativ optimal an die Krümmung der Scheibe angepasst werden kann, wird diese zwischen eine um 16° einstellbare Walze mit 2 Delrin™ bestückten Schrauben geklemmt. Insgesamt wirkt das ca. 950g schwere Burzynski Vario durch sein Finish erst einmal weniger professionell als z.B. ein Kirk WM-2, auch traut man ihm auf dem ersten Blick nicht unbedingt eine hohe Tragkraft zu, da die Stützen recht filigran wirken.


Montage

Die Montage des Burzynskis nimmt etwas mehr Zeit in Anspruch, als ich es von anderen Herstellern gewöhnt bin. In der Praxis montiert man ein Fensterstativ natürlich bevor man ein Motiv erspäht, daher kann man diesen Punkt unbewertet lassen. Bei der Montage empfiehlt es sich zuerst die Scheibenklemmung vorzunehmen, dafür müssen die beiden Klemmschrauben und die Einstellung für die Scheibenkrümmung gelöst werden. Das Stativ wird auf die Scheibe gesetzt und danach fixiert man zuerst die beiden Klemmschrauben, danach sucht man sich für die Teleskopbeine eine geeignete Abstützung und fixiert diese ebenfalls mittels der Klemmschrauben. Eine leicht nach außen gerichtete Position empfiehlt sich für die Stabilisierung des Stativs. Die Plattform richtet man natürlich möglichst waagerecht aus, erst dann zieht man die oben liegenden Schrauben für die Fixierung der Scheibenkrümmung an. Vorne an der Grundplatte befindet sich zwischen den beiden Teleskopbeinen ein 1/4" Gewinde, an dem sich ein Einbeinstativ für eine zusätzliche Stabilisierung befestigen lässt. Naturfotografen nutzen häufig auch auf ihr Hobby ausgerichtete Fahrzeuge, wie z.B. Gelände- oder Kastenwagen. Diese Fahrzeuge haben im Fahrzeugfond häufig Schiebefenster, die seitlich zu öffnen sind, speziell hierfür liegt dem Stativ ein Nachrüstwinkel zur Befestigung bei. Auch wenn Sie kein solches Gefährt Ihr eigen nennen, so kann dieser Winkel zum Beispiel bei einer Safari in Afrika nützlich sein! Der Stativkopf wird mittels einer 3/8" Rändelschraube mit der Trägerplatte verbunden, durch ein Langloch bietet sich hier ein großer Schiebebereich von 78mm. Nun kann die Kamera/Objektiveinheit auf die ausgerichtete Konstruktion befestigt werden.

Eine Außenmontage ist zumindest bei den meisten PKWs nicht möglich.

 

Praxis

Beim aufsetzen des Equipments bemerkt man gleich das kaum etwas nachgibt, die Stabilität ist durchaus mit einem hochwertigen Dreibeinstativ zu vergleichen. Hier spielt natürlich auch der verwendete Stativkopf eine entscheidene Rolle, ein Kugelkopf der niedrig baut ist sehr förderlich. Typische Vertreter wären der Burzynski Kugelkalottenkopf oder ein Really Right Stuff BH-55 der hier auf den Bildern zu sehen ist. Neugierig war ich aber auch auf den Einsatz des bei Naturfotografen beliebten Wimberley-Head, bauartbedingt ergibt sich bei dieser Konstruktion ein wesentlich höherer Hebel und somit nimmt auch die Gefahr von Verwacklungen deutlich zu. Aus diesem Grund habe ich zusätzlich ein Einbein unter die Trägerplatte montiert und dieses auf den Fahrzeugboden aufgestützt. Der WH-200 wurde soweit wie möglich nach außen montiert um die höchst mögliche Stabilität zu erreichen. Auch hier schlägt sich das Burzynski Vario in Verbindung mit einer 1D MK III und einem EF 500 4.0 IS + 1,4 Telekonverter sehr beachtlich. So lassen sich auch Aufnahmen von nicht statischen Motiven leicht bewerkstelligen und man ist deutlich flexibler als zum Beispiel bei der Verwendung von Bohnensäcken. Ein Problem, was allerdings allen Fensterstativen anhaftet, ist die horizontale Ausrichtung, die bei den eben erwähnten Telebügeln noch stärker zum tragen kommt. Versetzt man das Fahrzeug für eine günstigere Perspektive um einige Meter, ist die Ausrichtung sofort dahin. Linderung verschafft hier eine Nivelliereinheit, mit der das austarieren einfacher von statten geht. Die eleganteste Lösung wäre dann die Anschaffung der oben erwähnten Version mit 100mm Kalotte, die rund 60 EUR teurer ist. Die Bewegungsfreiheit wird zwar durch das Fensterstativ eingeschränkt, ist aber noch erträglich. Das optional montierte Einbein stört da schon mehr. Einer der Hauptvorteile gegenüber der Verwendunng eines Bohnensacks, ist die Möglichkeit mit einsatzbereiter Kamera zumindest langsam zu fahren. Man sollte allerdings bei weiteren Strecken zumindest das Objektiv in das Fahrzeug schwenken. Insgesamt bietet das Vario einen bequemen Einsatz und lässt sich sehr gut bedienen.

 

Fazit

Das Burzynski Vario in der hier vorgestellten Version schlägt mit bitteren 365 EUR zu buche und ist damit neben seinem größeren Bruder die teuerste Lösung auf den recht kleinen Markt der Spezialstative für Fahrzeuge. Das ist aber auch schon der einzige Kritikpunkt, man erwirbt ein sehr gut durchdachtes Produkt, das nur in kleinen Stückzahlen von Hand gefertigt wird. Das Vario punktet sonst in allen Disziplinen, es lässt sich optimal an den jeweiligen Fahrzeugtyp anpassen und bietet die höchst mögliche Stabilität. Besonders sei hier noch einmal die Fensterklemmung angesprochen, die bei keinem anderen Hersteller so gut durchdacht ist. Ich kann eine Kaufempfehlung aussprechen, für alle die nicht auf den Preis achten müssen.