Kirk WM-2 Scheibenstativ


Oftmals kann das Auto in der Tierfotografie als rollendes Tarnzelt eingesetzt werden, es ist manchmal schon verblüffend wie sehr sich unsere Tierwelt an den Anblick der Stahlkarossen gewöhnt hat. Um aus dem Fahrzeug heraus zu guten Ergebnissen zu kommen ist aber zumindest ein Bohnensack von Nöten, komfortabler ist aber der Einsatz eines speziellen Scheibenstativs. Nach einer Fotoreise an den Neusiedler See, an dem man überwiegend aus dem Auto heraus arbeitet, stellte sich bei mir der Wunsch nach einer solchen Lösung ein.

Es gibt inzwischen einige Hersteller die Scheibenstative in ihrem Sortiment führen, angefangen von einfachen Klemmlösungen wie sie die Firmen Manfrotto, Novoflex oder Berlebach anbieten bis hin zu ausgereiften Modellen wie man sie vom deutschen Tüftler Rainer Burzynski kennt. Ein weiteres Modell bietet der amerikanische Hersteller Kirk an und vertreibt es unter den Namen WM-2 (Window Mount 2).

 

Erster Eindruck

Das knapp 1,4 Kg schwere WM-2 wurde von Kirk gegenüber dem Vorgänger etwas modifiziert. Das Fensterstativ wird komplett montiert geliefert und macht einen soliden Eindruck. Sowohl das Finish als auch die Verarbeitung wirken sehr edel, schließlich wurde hochwertiges 6061T6 Aluminium für sämtliche Bauteile einschließlich Knöpfe verwendet. Das WM-2 besteht aus einer Brücke für den Stativkopf die mit einer Stütze mit verstellbarer Länge ausgestattet ist. Zusätzliche Querträger können individuell auf das Fahrzeug eingestellt werden und bieten mehr Stabilität. Der verwendete Kopf wird mit einer 3/8" Schraube an der Brücke montiert, die dafür vorgesehene Rändelschraube ist wie die übrigen drei griffig und gut zu bedienen. Um Beschädigungen am Fahrzeug zu vermeiden, wurden alle 6 Füße vorbeugend mit Gummi überzogen. Die Scheibenklemmung ist mit 95x45mm sehr großflächig und auch hier werden Beschädigungen durch Schutzgummis verhindert.

 

Innenmontage

Die Montage mit Abstützung an der Innenverkleidung der Fahrzeugtür ist denkbar einfach und erfolgt innerhalb weniger Sekunden. Nachdem der Stativkopf angebracht ist und die Seitenscheibe auf etwa 5cm versenkt ist, setzt man die Klemmvorrichtung auf die Scheibe auf und fixiert diese mit Klemmschraube. Achtung! Damit eine Beschädigung der Fenstermechanik verhindert wird, sollten man die Scheibe mit angesetzten Stativ nicht weiter versenken. Nun muss nur noch die Hauptstütze mit den Querträger in die richtige Position gebracht werden und mit den entsprechenden Rändelschrauben festgezogen werden. Optimal ist eine Abstützung an der Armlehne, sollte die Stütze dafür zu kurz sein, verwendet man alternativ die Seitenverkleidung.

 

Außenmontage

Alternativ kann das WM-2 auch entgegengesetzt montiert werden, in diesem Fall wird die Konstruktion außen an der Tür abgestützt. Um Beschädigungen an Lack oder Tür zu verhindern empfiehlt es sich ein Magnetschild zwischen den Stützfüssen und der Tür zu befestigen. Die Außenmontage bietet etwas mehr Bewegungsfreiheit, ein Vorteil wenn vom Fahrersitz aus fotografiert wird. Zusätzlich erweitert sich der mögliche Schwenkbereich des Teleobjektivs nicht unerheblich. Unter bestimmten Umständen kann die Bedienung des Stativkopfes erschwert werden, da die Knöpfe des Kopfes nun schwerer zu erreichen sind. Auf dem Bild rechts kann man diesen Umstand bei der Verwendung eines Really Right Stuff BH-55 deutlich erkennen.

 

Bodenstativ

Als bodennahes Stativ (wie auf dem 1. Foto abgebildet) bietet das WM-2 auch für den Makrofotografen einen zusätzlichen Einsatzbereich, dabei ist man allerdings auf eine Arbeitshöhe festgesetzt. Da es auch in dieser Position lange Telebrennweiten träg, eignet es sich hervorragend für niedrige Perspektiven in der Tierfotografie, wie z.B. bei Aufnahmen von Wasservögeln.

 

Praxis

Im Einsatz erfährt man sehr bald die Vorteile gegenüber dem Bohnensack. Als erstes sei hier die schnelle Einsatzbereitschaft genannt, da Kamera & Objektiv auch während langsamer Fahrten montiert bleiben können. Bei Verwendung des Bohnensacks ist dies mit einem größeren Risiko verbunden. Auch Mitzieher oder Schwenks sind mit dem Bohnensack nicht oder nur sehr schwer zu realisieren, hier kann der WM-2 in Verbindung mit einem hochwertigen Kugelkopf ebenfalls überzeugen. Wichtig beim Einsatz von großen Telebrennweiten ist aber natürlich auch die Stabilität und damit verbunden der Schutz vor Verwacklungen. Hier hinkt das Scheibenstativ dem Bohnensack etwas hinterher, was aber durch die Verwendung von Bildstabilisatoren (IS, VR) etwas relativiert werden kann. Grundsätzlich ist es daher ratsam, falls noch kein Stativkopf vorliegt, möglichst einen flach gebauten Kopf zu wählen, wie sie etwa Burzynski(Kugelkalottenkopf) oder RRS (BH Reihe) anbieten. Das wird beim Einsatz des Wimberley WH-200 noch deutlicher, die Gefahr von Verwacklungen wird nochmals durch die Hebelwirkung verstärkt. Subjektiv habe ich auch den Eindruck das die Innenmontage des Stativs die stabilere Variante ist, dies könnte aber auch vom Fahrzeug abhängig sein. Bei den beiden von mir verwendeten Fahrzeugen besitzt eines ein deutlich größeres Spiel in der Führung der Scheibe, was sich natürlich negativ auf die Stabilität auswirkt. Hier kann es helfen die Scheibe mit kleinen Kunststoffkeilen (z.B. aus dem Fliesenlegerbedarf) zusätzlich zu fixieren.

Auf dem Stativ wurde von mir eine 500mm Festbrennweite mit einem schweren Profigehäuse eingesetzt, insgesamt war ich sehr überrascht über die bequeme Handhabung und der erreichten Stabilität. In Verbindung mit dem Bildstabilisator ist letztere auf jeden Fall ausreichend und wird sicher noch zunehmen wenn die Stütze z.B. auf eine Armlehne abgestützt werden kann. Sollte ein Nachfolger produziert werden, sollte man über eine etwas längere Abstützung nachdenken. Bei langsamen Fahrten habe ich die Kamerakombination stets montiert, allerdings ins Innere des Fahrzeug gedreht. Sinnvoll ist es sicherlich einen Fanggurt an Türgriff und Objektiv zu befestigen, so würde im Falle eines Falles die Kamera zumindest nicht auf dem Boden prallen und ein schwerwiegender Schaden verhindert.

 

Fazit

Das WM-2 von Kirk ist ein solides Arbeitsgerät für den engagierten Tierfotografen. Wer häufiger auf Reisen das Auto als Fotoversteck nutzt, wird sicher früher oder später auf ein Scheibenstativ zurückgreifen, hier sei das WM-2 empfohlen. Die Handhabung ist sehr leicht und bewegende Motive können leichter verfolgt werden. Wer dagegen nur gelegentlich aus dem Auto heraus fotografiert, wird sicherlich auch mit dem altgedienten Bohnensack zu befriedigenden Aufnahmen gelangen. Preislich liegt das Kirk mit knapp über 260 EUR im oberen Mittelfeld, wobei der Einstieg für die einfachen Klemmstative bei ca. 35 EUR und das teuerste Modell bei 420 EUR liegt. In Deutschland erfolgt der Verkauf über die Firmen Photoproshop und Augenblicke eingefangen.