Camouflage Tarnumhang


Tiere wildlife zu fotografieren ist keine so leichte Aufgabe wie viele eventuell denken, dabei spielt es keine Rolle ob es sich um einen Vogel am Futterplatz oder um ein Reh auf dem Feld als Motiv handelt. In den meisten Fällen wird man auf eine Tarnung zurückgreifen müssen, da diese nicht immer in Form eines Tarnzeltes oder gar einer Ansitzhütte bewerkstelligen lässt, benötigt der engagierte Tierfotograf Alternativen. Oftmals wird auf Tarnnetze aus dem Militärbereich zurückgegriffen, was zweifelsohne auch zum Erfolg führen wird. Praktisch sind die mit Laubimitat bestückten Netze allerdings nicht, so benötigen sie für den Transport relativ viel Platz. Außerdem ist ein lautloses arbeiten mit ihnen fast nicht möglich, was sich in den meisten Fällen kontraproduktiv für die gewünschten Motive auswirken wird. Ein weiterer Nachteil sind die Eigenschaften des Netzes an sich, in ihm verheddert man sich schnell einmal mit der Ausrüstung. Auf Dauer sicher alles nicht befriedigend - also was gibt es für Alternativen.

 

 

Findige Naturfotografen nutzen in der Praxis sogenannte Tarnumhänge aus einem mit Camouflagemuster bedruckten Stoff. Diese Umhänge sind inzwischen auch in Deutschland käuflich zu erwerben, unter anderen beim Spezialanbieter für Tarnung "Augenblicke eingefangen". In diesem Bericht wird allerdings eine Version des niederländischen Naturfotografen Han Bouwmeester beschrieben und getestet. Der Umhang wird in den Niederlanden unter dem Namen HBN Topcamo Camouflagekleed vertrieben, erhältlich ist er dort im Onlineshop Camera-Tools bzw. vor Ort im Ladenlokal, welches sich in Apeldoorn bei Arnheim befindet.

Der HBN Topcamo-Umhang ist die 3. Version die von Han Bouwmeester entwickelt wurde und stellt zugleich das Topmodell da. Gegenüber seinen Vorgängern hat dieses Modell den Vorteil aus einem Lycragewebe gefertigt zu sein, dieser bietet einen besseren Schutz vor der Sonne. Außerdem ist das Gewebe sehr elastisch und erzeugt im Einsatz keinerlei störende Geräusche. Der Umhang wird mit einer auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftigen Tasche geliefert, da sie aus dem gleichen Stoff gefertigt ist und einen überlangen Tragriemen besitzt. In der Praxis erweist sich dieses Design aber als durchaus praktisch, da man in den meisten Fällen als Tierfotograf hoffnungslos überladen (Rucksack, Stativ, Fernglas usw.) ins Gelände startet. Der lange Henkel ermöglicht ein bequemes tragen quer über die Schulter, die Tasche trägt sich dabei angenehm an der Hüfte. Verschlossen wird die Tasche mit einem Klettverschluss, hier wäre eine Reißverschluss sicher schöner, aber auch teurer gewesen.

Der Umhang selbst hat eine Fläche von 320x220 cm und ein Gewicht von 1,3 Kg, damit ist er, wie nicht anderes zu erwarten, um einiges leichter als alle mir bekannten Tarnzelte. Der Stoff ist mit dem Muster "True timber" bedruckt, der Blätter und Äste in den Farben braun, grün und grau zeigt. Insgesamt spielt dieser Aufdruck aber eher eine unwesentliche Rolle, da sich die meisten Tiere nur durch unsere menschliche Silhouette stören lassen. Allerdings wird man, mit dieser Tarnung ausgestattet, sich den meisten Blicken unserer Mitmenschen entziehen, was ja auch von Vorteil sein kann. Ein Objektivtunnel ist an der Vorderseite angebracht und ermöglicht auch das durchführen von sehr großen Objetiven wie beispielsweise einer 600mm Festbrennweite. Der Tunnel wird vorne durch eine Zugkordel am Objektiv fixiert. Der Tunnel ist insgesamt etwas zu kurz geraten, damit der Umhang perfekt sitzt befindet sich die Sonnenblende meines meist verwendeten Objektivs (Canon EF 500 4.0 IS) quasi im Freien und die Zugkordel knapp vor der Sonnenblende. Ob dies in der Praxis allerdings einen Nachteil darstellt, konnte ich nicht feststellen. Über dem Durchlass für die Optik befindet sich ein Sichtfenster, das durch einen Netzstoff den Ausblick zulässt, umgekehrt aber vor den Blicken ins Innere des Umhangs schützt. Neben den Sichtfenster befinden sich 2 Schlaufen, die ich im Einsatz dafür nutze das Netzfenster direkt vor das Gesicht zu halten. Obwohl der Stoff auf der Innenseite weiß ist, werden keine Schatten nach außen sichtbar.

Im Gegensatz zum Tarnzelt stellt sich der Aufbau natürlich etwas anders da. Während man ein Tarnzelt als erstes aufbaut um sich danach im Inneren einzurichten, baut man beim Tarnumhang zuerst das Stativ mit der 
Kameraeinheit auf, stellt evtl. noch eine Sitzgelegenheit davor und stülpt den Umhang über den Objektivtunnel und danach über den kompletten Aufbau. Bei Nutzung eines Dreibeinstativs ist es sinnvoll die Beine in einem flachen Winkel zu spreizen und den Sitzhocker zwischen zwei der Stativbeine zu positionieren. So kann man es erstaunlich lange unter dem Umhang aushalten. Ich selber bin mit knapp 1,95m recht groß gewachsen, ein stehender Einsatz lässt sich für mich nicht perfekt realisieren, da mich der Stoff des Umhangs nicht komplett abdeckt. Der größte Vorteil gegenüber einen Tarnzelt stellt die Rundumsicht da, durch das unmittelbar an den Augen anliegende Sichtfenster, erreicht man max.  ein Blickfeld von 170° ohne den Kopf bewegen zu müssen. Nutzt man den Umhang in Verbindung mit einem Einbeinstativ bleibt man, wenn auch ein wenig eingeschränkt, sogar noch mobil. Die meisten Tarnzelte heizen sich in der Sonne sehr schnell auf, das Fotografieren wird oftmals zu Qual, auch unter dem Umhang wird es bei Sonneneinstrahlung schnell warm, aber es bleibt insgesamt noch in einem erträglichen Rahmen. Ob der Stoff UV-Strahlen abweist, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen. Bei Regen hält der Umhang die Feuchtigkeit nicht ab, sie dringt ungehindert ins Innere, das ist natürlich ein großer Nachteil gegenüber der Verwendung eines Tarnzeltes. Die Reinigung eines verschmutzten Umhangs erweist sich jedoch als unproblematisch, einfach in die Waschmaschine und bei 30° waschen. Aber Vorsicht, auf den Einsatz eines Trockners muss verzichtet werden.

Insgesamt bin ich mit dem Topcamo mehr als zufrieden, gerade spontane Einsätze lassen sich sehr viel einfacher bewerkstelligen als mit dem Tarnzelt. Tarnzelte sind schwer zu transportieren und dürfen oftmals nicht einfach ohne Genehmigung aufgestellt werden. Der Platzbedarf mit dem Umhang beschränkt sich auf das nötigste, gerade im unebenen Gelände wie z.B. einen Hang spielt er seine Vorteile voll aus. Vorhandene Vegetation kann zusätzlich als Tarnung genutzt werden, außerdem bleibt man mobiler. Trotzdem behält ein gutes Tarnzelt seine Darseinsberechtigung, hier sei nur an Tierarten (Fuchs, Dachs etc.) gedacht, die eine sorgfältige Vorbereitung benötigen. Oftmals müssen sich diese Tiere erst an den Anblick der Tarnung gewöhnen. Das hier vorgestellte Topmodell ist für 99 EUR erhältlich, die günstigeren Modelle kosten 59 EUR bzw. 89 EUR in den Niederlanden erhältlich.