Ein Kurztrip zu den Gämsen


Schon oft habe ich versucht im Familienurlaub in den Schweizer Alpen Gämse in ihrem Lebensraum abzubilden. Leider nur mit mäßigen Erfolg, entweder war ich zur falschen Tageszeit vor Ort oder aber die Tiere waren einfach zu scheu. Angeregt durch tolle Bilder und Berichte im Internet, nutzte ich Anfang Juli 2 Tage Resturlaub in Verbindung mit einem Wochenende, um es mit den Gämsen einmal bei unseren französischen Nachbarn zu probieren. Am frühen Nachmttag erreichte ich den Parkplatz auf dem 1363m hohen Hohneck im Naturpark Ballons des Vosges, von wo aus ich bereits die ersten Gämse auf der Hochebene ausmachen konnte.

Mit dem Teleobjektiv und einem Einbein "bewaffnet" machte ich mich erst einmal auf dem Weg um die nähere Umgebung des Hohnecks zu erkunden. Nach wenigen Metern konnte ich schon die ersten Gämse erspähen und auf den prächtig blühenden Bergwiesen recht ansehnlich im Bild festhalten. Der Himmel war dicht bewölkt, der Wind war recht stark und bließ häufig Nebelfelder über den Gipfel, was mir aber insgesamt recht gut in die Karten spielte.

An der Hangkante angelangt hat man einen schönen Blick ins Tal und auf die schroffen Felsen der Martinswand. Durch den Nebel wirkten ihre Abgründe teilweise bedrohlich. Der Wanderpfad der in ihre Richtung führt ist aber recht leicht zu gehen, trotzdem sollte man natürlich festes Schuhwerk tragen. Überall in den Hängen befinden sich Felsnadeln und Felskanzeln die für ein Mittelgebirge recht ungewöhnlich wirken und schon eher an ein Hochgebirge erinnern. Also genau das richtige Terrain für die klettergewandten Gämse und die richtige Kulisse für Naturfotografen.

Um mich von der Fahrt etwas zur erholen und um etwas zu Essen habe ich mich erst einmal zum Parkplatz zurückgezogen. Neben dem Gipfelhaus auf dem Hohneck gibt es in der näheren Umgebung noch mehrere Möglichkeiten um einzukehren, wenn auch nicht alle außerhalb des Wochenendes geöffnet haben, dass sieht aber in der Hauptsaison bestimmt anders aus. Nach 18 Uhr wurde es deutlich ruhiger und ich machte mich erneut auf die Suche. Überrascht stellte ich fest wie viele Tiere inzwischen die schützende Wand verlassen hatte, um in der Nähe des Gipfels zu ähsen. Bei korrekten Verhalten hat man hier die Möglichkeit den Tieren sehr nah zukommen, es sind sogar Portraits möglich.

Vom Weg aus konnte ich immer wieder Familienverbände mit Jungtieren entdecken und fotografieren. Kurz vor Sonnenuntergang kam die Sonne auch noch einmal kurz durch und ich bekam die Möglichkeit auf einige Gegenlichtaufnahmen. Um Morgens möglichst früh vor Sonnenaufgang vor Ort zu sein, entschloß ich mich auf dem Berg zu übernachten.

Über Nacht klärte der Himmel auf und es wurde doch sehr kühl. Ohne Wecker wachte ich pünktlich vor Sonnenaufgang auf und ich freute mich über den Anblick von zahlreichen Gämsen. Es ist schon erstaunlich wie wenig scheu die Tiere hier oben sind, es liegt wohl daran, dass die Gämse nach meinen Informationen hier oben nicht bejagd werden. Das ist in meinen bevorzugten Gebieten in der Schweiz anders, um ähnliche Bilder zu machen ist dort erheblich mehr Aufwand von Nöten. Im Laufe des Vormittags zogen sich die Gämse immer weiter in den Hang und in die tiefer gelegenen Wälder zurück und der Abend gestaltete sich komplett anders als der vorherige. Es waren nur vereinzelt Tiere anzutreffen, ich führe dies auf das Wochenende mit der erhöhten Anzahl an Freizeitakteuren zurück, die sich während des gesamten Tages in der Nähe des Gipfels aufhilten. Mit der Bildausbeute war ich insgesamt sehr zufrieden und es war nach einem aus fotografischer Sicht eher mäßigen Frühjahr mal wieder schön Bilder in der Natur zu machen...